JANUAR ‘16

FEBRUAR ‘19
MAJESTÄTISCHER ANBLICK

MAJESTÄTISCHER ANBLICK

An die Besuche bei meiner Dode (Schwäbisch: Tante) kann ich mich noch gut erinnern. In einem monströsen Wandschrank aus Nussbaum standen hinter Glastüren verschlossen, viele kleine und größere Porzellanfiguren. Niedliche Tierchen wie Rehe, Vögel, Hündchen und kleine Kinderfiguren – bunt angemalt und teilweise mit Gold verziert. Eine Inszenierung von einem kleinen Mädchen, das sich rührselig um ein kleines Rehkitz kümmert, hatte es mir damals sehr angetan. Es glich einem Feiertag, wenn meine Dode die Glasvitrine öffnete und die zierlichen Figürchen herausnahm – nicht zuletzt deshalb, weil die opulent verzierte Meissen-Porzellanschale mit Deckel immer Schokoladen-Pfefferminz Bonbons enthielt. Das war meine Empfindung hinsichtlich Porzellanfiguren als ich noch ein Kind war. Später als Teenager und nachher als Innenarchitekturstudentin konnte ich mir nun nicht mehr erklären, weshalb das Sammeln von äußerst kitschigen Figuren die große Freude älterer Damen darstellte. Nicht, dass ich mich heute als ältere Dame bezeichnen möchte, ist es nun ebenfalls um mich geschehen. Ich habe mich verliebt. In eine Porzellan Figur! Ganz zufällig beim Googeln hat mich das Antlitz einer Eule überwältigt. Die erhabene Haltung des Tieres, die handwerklich einzigartig gefertigten Details und das ebenmäßige feine weiße Porzellan ist für mich der Inbegriff von Eleganz.

Diese Porzellan Eule wurde 1921 von einem der bedeutendsten Tierbildhauer Max Esser (1885-1945) gestaltet und wird seither von der Porzellanmanufaktur Meissen hergestellt. Zu den bedeutendsten Werken von Esser zählen der „Dschelada-Affe“ im Berliner Tierpark und die Plastik „Fischotter“, die auf der Weltausstellung in Paris 1937 mit einem Grand Prix ausgezeichnet wurde.

Nicht wie in den alten Mythologien, in denen die Eule als Dämon gefürchtet war und der Unglücksbote bedeutete, ist die Esser Eule für mich ein Glücksfall. Und so flog sie zu meinem 40. Geburtstag direkt auf meine Fensterbank, auf der sie jetzt majestätisch thront und mich jeden Tag erfreut.

AUTORIN

yvonne

YVONNE KREEB
Diplom-Ingenieurin, Geschäftsführerin
PURIST GmbH, Ludwigsburg

y.kreeb@purist-design.de

> WEITERLESEN

POST A COMMENT

1 Kommentar

  1. Bablofil 25. März 2017 um 5:18 Uhr- Antworten

    Thanks, great article.

Hinterlassen Sie einen Kommentar Antworten abbrechen

LOVE IS IN THE CHAIR

MAJESTÄTISCHER ANBLICK

FORMSCHÖN, ZEITLOS UND MASSIV

URLAUBSARCHITEKTUR DIE ERSTE

VOM REISEN MIT WALLPAPER UND COOL CITIES …

GEGENSÄTZE ZIEHEN SICH AN …

PAPIER STATT PLASTIK – VON DER SORGE UM DAS PAUSENBROT

WAS MACHT EINEN PLATZ ZU MEINEM LIEBLINGSPLATZ?

ÄTHIOPISCHE KAFFEEZEREMONIE ODER SLOW COFFEE MOVEMENT?

GRÜN! MEINE FARBE!

VON BAULÜCKEN UND MIKROARCHITEKTUR

MIR REICHT’S – ICH GEH SCHAUKELN!

LICHTTECHNIK EINFACH MAL EINFACH

BEGEISTERUNG, HOCHACHTUNG UND EIN BISSCHEN MITLEID …

HÄKELMASCHEN

ARISEN FROM THE SAMURAI SWORD TRADITION