JANUAR ‘16

01.12.2018
DEZEMBER ‘18
FORMSCHÖN, ZEITLOS UND MASSIV

FORMSCHÖN, ZEITLOS UND MASSIV

Zahlreiche Entwürfe und Designs der Gegenwart haben ihren Ursprung im Bauhaus oder wurden nachhaltig davon geprägt. Bis heute prägt und inspiriert das Staatliche Bauhaus, welches 1919 von Walter Gropius in Weimar als Kunstschule gegründet wurde (und bis 1933 in Dessau bestand), die Architektur und Kunst sowie das moderne Design im 20. Jahrhundert. Diese Entwicklung beruht unter anderem auf der völlig neuen Konzeption dieser Schule, welche die Zusammenführung von Kunst und Handwerk lehrte.

Dies vorausgeschickt, möchte ich den Blick auf die Handwerkskunst und Materialität ´schlichter´ Türdrücker und Fenstergriffe (WD28) richten, die seit Anfang der 80-iger Jahre von der Firma TECNOLINE® in Bremen (bis 2002 bei TECNOLUMEN®) hergestellt werden. Es ist faszinierend wie die ursprünglichen Entwürfe von berühmten Gestaltern wieder in neuer Funktion und Qualität aufleben. Diese Manufaktur-Beschläge für Türen, Fenster und Möbel in höchster Qualität, nach den original Entwürfen von berühmten Bauhaus Künstlern wie beispielsweise Walter Gropius, Wilhelm Wagenfeld und Ferdinand Kramer, sind eindrucksvolle Belege für diese Qualitäts- und Detailarbeit. Die Produkte werden ausschließlich in Deutschland hergestellt, von Hand gegossen und in nur zwei Grundmaterialien gefertigt. Der massive Messingguss bietet hierbei diverse Möglichkeiten der Oberflächenbehandlung und -veredelung (poliert, matt, vernickelt, verchromt, roh). Das massive Edelstahl V2A wirkt elegant und zeichnet sich durch eine hervorragende Widerstandsfähigkeit aus (matt gebürstet oder poliert).

Reflektiert man detailliert über Funktion, Verwendung und Einsatzhäufigkeit, so wird klar warum sich große Gestalter so tiefgreifende Gedanken hierzu gemacht haben. Ein Zitat von TECNOLINE® veranschaulicht diesen Umstand sehr gut:  „Der Griff ist die logische Verbindung zwischen Hand und Tür. Wir greifen ihn und dank seiner Funktion bewegen wir mit leichter Hand die Tür. Vielleicht hundertmal am Tag öffnen wir Türen und schließen sie hinter uns. Wir kommen und wir gehen – wir verlassen unser Zuhause, um dem Tagwerk nachzugehen. Oder kehren heim, um Schutz und Geborgenheit zu finden, neue Kraft zu schöpfen und Ruhe zu genießen.“

Es ist ein schöner Gedanke, die Einfachheit eines per se anspruchslosen Türdrückers so zu deuten und zu verstehen, dass ihm dadurch eine zentrale Rolle im Raum zukommt. Sozusagen das zentrale Moment beim Betreten oder Verlassen eines Raumes. Bei Renovierungsobjekten mit entsprechender Gestaltung unterstreichen diese Qualitätsprodukte das gesamte Objekt und werten dieses auf. Vielmehr schärft es beim Nutzer das Bewusstsein für Funktion und Qualität durch seine angenehme Haptik und komplementiert dadurch den gesamten Innenraum. Ich hatte zuvor diverse Griffe eingesetzt, aber erst nachdem ich im eigenen Umfeld den 1928 von Wilhelm Wagenfeld entworfenen Türdrücker und Fenstergriff WD28 einsetzte, kam dieses Verständnis für die Materialität, Detailqualität sowie deren angenehme Haptik auf.

Der WD28 Türdrücker, nebst passender Fensterolive wurde ursprünglich 1928 für die Firma S.A. Loevy entworfen. Der geborene Bremer Wilhelm Wagenfeld kam 1923 ans Bauhaus und ist einer der bekanntesten Bauhaus Gestalter. Neben diversen Designs für Braun, Rosenthal und WMF entstand 1924 in der Bauhaus Metallwerkstatt unter seinem Lehrer László Moholy-Nagy sein bekanntester Entwurf – die zeitlose Tischleuchte mit der halbkugelförmigen Glasglocke (vgl. WG24 von TECNOLUMEN®). Es lohnt sich also immer auf die Details zu achten. Nicht ohne Grund kamen Charles und Ray Eames zu dem Zitat: “The details are not the details; they make the product.”

AUTOR

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AXEL KREEB
Diplom-Ökonom, MBA, Geschäftsführer
PURIST GmbH, Ludwigsburg

a.kreeb@purist-design.de

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